Sonntag, 6. Oktober 2013

Zersplitterung der Community

Ich bin selbst Forumsflüchtling. Ich hab einige Zeit überlegt, wie ich zu dem Thema stehe, nachdem ich den Beitrag von Ace of Dice gelesen hatte.

Er sieht ein Problem nicht in den einzelnen Blogs sondern in der dazugehörigen Diskussion. Ich bspw. habe recht wenig Kommentare unter meinen einzelnen Blogbeiträgen, aber immer wieder da wo ich den Link hinposte, egal wo das ist. Da entspinnen sich Gespräche im Chat des Tanelorn, auf g+, Facebook oder auch in verschiedenen Foren wie das RSP-blogs-Forum. Oder eben in der Kommentarsektion meines Blogs, wo übrigens auch anonym gepostet werden kann.
Ich als Blogger habe also mit der Zersplitterung meiner dazugehörigen Diskussion kein Problem, weil ich bekomme im Normalfall jede Diskussion mit. Kann auch mal passieren, das nicht, aber man sieht in seinen Statistiken ja auch, von wo aus der Blog aufgerufen wurde, so dass ich meine Diskussionen normalerweise verfolgen kann. Mein Blogleser allerdings nicht. Der kommentiert wo auch immer und liest da meine Antwort und vielleicht auch weitere, aber was Blogleser B und C woanders kommentiert haben, weiß der erste nicht, weil die Diskussion eben auf mehrere Social Networks aufgeteilt ist.
Aber wie tragisch ist das wirklich?

Was passiert denn in Foren? In lebendigen Foren wird viel und lang kommentiert und diskutiert und das an einem Ort von einer großen Gruppe Beteiligter. Aber es ist eine enge Community mit wenigen Vielschreibern und Tonangebern in ihren jeweiligen Bereichen. Je länger eine Forencommunity lebendig bleibt und sich gar regelmäßig zu Treffen zusammenfindet, desto fester ist auch der Zusammenhalt des Kernteams. Es bildet sich eine Ingroup. Das ist ganz normales menschliches Verhalten. Jetzt kommen immer wieder Neulinge rein und das Forum verändert sich. Manche der alten Hasen mögen die Veränderungen nicht und laufen Sturm oder ziehen sich schliesslich zurück, manche der Neuen wollen mehr Veränderungen oder stellen fest, doch nicht in das Gruppengefüge zu passen und ziehen sich wieder zurück.

Ich mag dieses enge Allzumenschliche nicht. Dieses Gezerre um Köpfe zu Lasten der Themen. Teils auch diese dämlichen Themen, die man bei Blogs viel einfacher ignorieren kann und die da meiner Meinung nach auch weniger auftreten. Ich beispielsweise liebe Kritik, ich lese und höre gerne Kritik. Aber in Foren will man niemanden vertreiben und wird daher von zartbesaiteten Mitmenschen gleich mit Wattebäuschen beworfen, wenn man mal nicht lobt und lobt und LOBT. Oder die Moderation wird gerufen, wenn da einer eine offene Wortwahl bevorzugt. Ich versuch ja auch selbst Kritik eher nett zu verpacken und zu loben, wo es angebracht ist. Aber diese Unverträglichkeit des offenes Wortes, wo Kraftausdrücke über Themen gleich als Beleidigungen an Personen gesehen wird... Ich möchte kein Teil einer Gemeinschaft sein, in der man jedes Wort vor dem Abschicken des Posts erst dreimal überdenken muss, ob sich auch ja niemand davon angegriffen fühlen könnte.

Wenn ich etwas lobe, dann find ich das richtig richtig toll. Dann bin ich echt begeistert und kann das auch ausdrücken. Aber wenn ich was für eher schlecht halte, dann kann ich auch verstehen wenn da wer anders die Wahrheit (Der Letzte Dreck, informier Dich mal, was willst du mit dem Scheiss sagen?) offen und mit Kraftausdrücken auf den Tisch packt. Ich liebe Kritik. Ich möchte Kritik bekommen. Auch wenn sie Kraftausdrücke beinhaltet. Dann muss ich mich beim nächsten Mal halt mehr anstrengen. Aber mit diesen Wattebäuschen kann ich nicht umgehen. Die ersticken mich und mein Sendungsbewusstsein genauso wie jemand anders sich vielleicht von Kraftausdrücken abgeschreckt fühlt.

In Foren mit Unter-18jährigen kann ich verstehen, dass man das Niveau auch entsprechend halten möchte. Ein offenes Wort ist schliesslich auch ohne Kraftausdrücke möglich. Trotzdem braucht man nicht überempfindlich zu sein. Die erstickenden Wattebäusche gibt es aber in jedem größeren Forum zu einem gewissen Grad. Jedes Forum versucht da seinen eigenen Weg zu gehen und sicher findet auch jeder da ein Forum dass einem in der Mischung zwischen Watte und offener Kritik passt.

In einer zersplitterten losen Community habe ich mehr Freiheit, weil es keine Ingroup gibt, in die ich mich einzufügen habe. Ich kann aber immer noch in die Foren hineingehen und dort mich (auch ohne Kraftausdrücke) beteiligen und mir Input holen, auch wenn ich dann dort kein Insider bin und auch nicht sein will. Lieber baue ich mir über G+ meine eigene Filterbubble auf anstatt mich auf Foren zu konzentrieren.

Dank dem Feed für Rollenspieler RSPBlogs verpasst man rollenspieltechnisch eigentlich auch nichts. Wenn was wirklich interessant ist, wirds meist mehrfach aufgegriffen. Ausserdem gibts dazu auch ein RSP-Forum für Blogger und Blogleser. Dort wird auch gerade diskutiert wie man es besser gestalten und einladender machen könnte. Es wurde wohl angemerkt, dass es auf manche elitär wirkt. Dort postet zwar nicht jeder Blogger, aber ich sehe grade dadurch dass es klein ist und viele Nutzer nun mal mit ihren Blogs ihren eigenes Reich haben, dort keine vorherrschende Ingroup, auch wenn manche öfter als andere posten. Meine Empfehlung wäre, sich den Feed zu abonnieren und ansonsten zu kommentieren wo man sich grade wohlfühlt.

Anmerkung: Ich las eben Kritik dahingehend, dass Blogs sich noch viel mehr um Köpfe drehen, als es in Foren der Fall ist. Das ist der genau der Punkt. Es sind einzelne Köpfe. Aber es gibt da keine Ingroup und daher auch kein Gekämpfe zwischen verschiedenen Gruppen. Jeder hat es doch mal erlebt, dass ein Post forumsübergreifend verlinkt wurde und dann auch noch Gekeife zwischen verschiedenen Foren anfing. In der Blogosphäre gibts sicher Leute mit denen man sich eher oder weniger versteht. Aber im Grunde schreibt man eher für sich und alle, anstatt für dieses Forum oder jene Gruppe von Leuten. Dafür dass man auch gelesen wird, muss man bei einem Blog natürlich mehr Arbeit hineinstecken. Aber für den Blogleser ist das ja unerheblich. Foren haben auch ihre ganz eigenen praktischen Vorteile. Ich persönlich ziehe die Offenheit der Blogosphäre jedenfalls den Einschränkungen in Foren, in denen man teils ohne Anmeldung nicht mal mitlesen kann, jedenfalls vor. Damit das aber funktioniert, mit der Bekanntheit des Blogs müssen auch Links gesetzt werden. Daher hier der Link zu den Kritikern, die mich zu dieser Anmerkung veranlasst haben:
Taschenschieber mit RPGBash und Glgnfz mit seiner Seifenkiste
RSPblogs findet man übrigens auch immer oben unter meinem Blogheader in der Linkleiste .

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen